PRESSEMELDUNG
Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
Berlin (25. März 2026, Nr. 15/2026)
Pflege stärken, Versorgung sichern
Deutscher Pflegerat fordert Strategie für Pflegeexzellenz
Gute Pflege entscheidet über die Qualität der Versorgung. Doch Deutschland schöpft dieses Potenzial nicht aus. Der Deutsche Pflegerat (DPR) legt mit dem Expert:innenpapier „Qualitätsentwicklung durch die Förderung von Pflegeexzellenz in Deutschland“ eine fundierte Analyse vor. Die DPR-Fachkommission „Exzellenzentwicklung in der Pflege“ hat es erarbeitet.
„Pflegeexzellenz ist keine Kür, sondern die Basis für Qualität, Versorgungssicherheit und auch Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Wer die Versorgung sichern will, muss die Profession Pflege systematisch stärken und strategisch nutzen“.
Bessere Pflege spart Kosten
Angesichts knapper Mittel braucht das Gesundheitssystem vor allem eines: höhere Versorgungsqualität. Pflegeexzellenz bietet dafür einen evidenzbasierte Handlungsrahmen. Sie erhöht die Ergebnisqualität, bindet Fachpersonal und senkt Folgekosten – etwa durch weniger Komplikationen, weniger Fluktuation und Fehlzeiten und eine ergebnisorientierte Versorgung.
Internationale Studien belegen, dass Einrichtungen mit exzellenter pflegerischer Versorgung bessere Ergebnisse erzielen, Fachpersonal langfristig halten und widerstandsfähiger auf Herausforderungen reagieren.
Exzellente Pflege wirkt doppelt. Sie steigert die Qualität und senkt die Kosten. Investitionen zahlen sich aus, es kommt zu einem nachweisbar positiven Social Return on Investment, weil Qualität nicht nur die Versorgung verbessert, sondern auch die Effizienz und Nachhaltigkeit des Systems stärkt.
Deutschland verschenkt Potenziale
Eine hohe Qualität in der pflegerischen Versorgung beeinflusst direkt die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems. Dennoch fehlt in Deutschland eine nationale Strategie zur Förderung von Pflegeexzellenz.
Der DPR betont: Pflegeleistungen werden oft in ihrer Wirkung massiv unterschätzt. Dabei ist die Profession Pflege das Rückgrat jeder einzelnen Gesundheitseinrichtung. Sie ist nicht nur eine Versorgungsdisziplin, sondern ein strategischer Produktionsfaktor für Qualität, Wirtschaftlichkeit und Stabilität. Dass dieses Potenzial systematisch ungenutzt bleibt, liegt nicht an fehlender Evidenz, sondern an mangelnden Strukturen und fehlenden politisch mutigen Entscheidungen.
Auch die Qualitätsmessung zeigt Schwächen: Besonders in der Langzeitpflege erfassen bestehende Systeme nur einen Teil der Versorgungsqualität. Fehlende Daten, uneinheitliche Dokumentation, unzureichende Digitalisierung und mangelnde wissenschaftliche Einbindung schmälern ihre Aussagekraft.
Drei Schritte zur Exzellenz
Der DPR fordert klare Maßnahmen, um Pflegeexzellenz zu fördern:
- Aufbau einer nationalen Infrastruktur für Qualitätsdaten und Benchmarking, finanziell unterstützt und verbindlich genutzt
- Gründung eines nationalen Pflegeforschungsnetzwerks und eines Instituts für Pflegeentwicklung und Exzellenz
- Stärkung und verbindliche Einbindung des Pflegemanagements auf allen Entscheidungsebenen
Ziel ist es, Pflegequalität messbar, vergleichbar und gezielt weiterentwickelbar zu machen. Die Nutzung pflegesensitiver Daten soll Transparenz, Steuerung, organisationales Lernen und kontinuierliche Verbesserung ermöglichen.
Für Pflegeexzellenz braucht es zudem zentrale Voraussetzungen:
- In der Versorgung: evidenzbasierte Pflege, klare Kompetenzen und Rollen, kontinuierliche Weiterbildung
- In den Einrichtungen: gute Personalstrukturen, echte Mitbestimmung der Pflege, datenbasierte und ergebnisorientierte Steuerung
- Auf politischer Ebene: verlässliche Dateninfrastruktur, Forschungsförderung und klare Rahmenbedingungen
Nur wenn diese Ebenen ineinandergreifen, lässt sich Pflegequalität dauerhaft verbessern.
Die Profession Pflege birgt enorme Ressourcen für das Gesundheitssystem – durch Prävention, bessere Koordination und sektorenübergreifende Versorgung. Exzellenz entsteht durch eine gute interprofessionelle Zusammenarbeit. Mehr pflegerische Expertise kann Versorgungslücken schließen, Effizienz steigern und das System nachhaltig besser machen.
Ohne Strategie keine Exzellenz
Pflegeexzellenz entsteht nicht von allein. Sie braucht einen klaren politischen Rahmen und abgestimmte Voraussetzungen – von der direkten Versorgung über die Organisationen bis hin zu nationalen Strukturen.
Das Fazit des DPR ist eindeutig:
Pflegeexzellenz ist das Ergebnis gezielter politischer und organisatorischer Entscheidungen. Investitionen in Pflegeexzellenz sind keine Zusatzaufgabe, sondern eine strategische Notwendigkeit für ein sicheres, widerstandsfähiges sowie qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem. Pflegequalität wird dadurch messbar, vergleichbar und steuerbar – mit einem nachweislich hohen Social Return on Investment. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es nicht länger vertretbar, vorhandene Effizienz- und Qualitätspotenziale ungenutzt zu lassen, die die Kosten-Nutzen-Relation der Versorgung enorm verbessern würden.
Die Profession Pflege muss als zentrale Berufsgruppe anerkannt und mit hohen Entscheidungskompetenzen, Ressourcen und Forschungsinfrastruktur ausgestattet werden. Nur so kann Pflegeexzellenz in Deutschland nachhaltig wachsen.
Das Expert:innenpapier „Qualitätsentwicklung durch die Förderung von Pflegeexzellenz in Deutschland“ der DPR-Fachkommission „Exzellenzentwicklung in der Pflege“ finden Sie in der Anlage sowie hier auf der Website des Deutschen Pflegerats.
Ansprechpartner:innen:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.
Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 22 Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die insgesamt 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats.
Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.
