Pressemeldung Deutscher Pflegerat vom 03.07.2026

PRESSEMELDUNG

Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)

Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen

Berlin (03. Juli 2026, Nr. 34/2026)

 

Countdown: #PflegeImFreienFall #DeutschlandWelchePflegeWillstDu?

Noch 6 Tage. Prävention versprechen. Pflegekompetenz ausbremsen.

 

Deutscher Pflegerat warnt: Ohne die Kompetenzen der Profession Pflege und der Hebammen bleibt die Versorgung weitgehend ein Versprechen.

Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) warnt davor, Prävention, Pflegebegleitung und Primärversorgung auszubauen, ohne die Kompetenzen der Pflegeberufe und Hebammen verbindlich zu nutzen.

Die Bundesregierung will Prävention, Pflegebegleitung und Primärversorgung stärken. Gleichzeitig schwächt sie Finanzierung und Personalsicherung und lässt pflegerische Kompetenzen sowie Hebammenkompetenzen weiter ungenutzt.

Das passt nicht zusammen. Wer Prävention verspricht, aber Pflegefachpersonen, Community Health Nurses, Advanced Practice Nurses, School Health Nurses und Hebammen nicht deutlich mehr einbindet, schafft neue Strukturen ohne tragende professionelle Grundlage.

Prävention braucht Menschen, die Risiken früh erkennen, beraten, begleiten, koordinieren und handeln können. Genau das leisten Pflegefachpersonen und Hebammen bereits heute – oft aber ohne ausreichende rechtliche, finanzielle und strukturelle Absicherung.

 

Prävention braucht Kompetenzen

Wenn professionelle Pflege nicht konsequent eingebunden wird, bleiben Hausbesuche aus. Risiken werden zu spät erkannt. Chronische Erkrankungen verschlechtern sich. Angehörige finden keine verlässliche Anlaufstelle. Schwangere und Wöchnerinnen erhalten keine Hebammenhilfe. Vermeidbare Krankenhausaufenthalte nehmen zu. Ohne Personal, Kompetenzen und Finanzierung bleibt Prävention ein Versprechen.

Pflegeberatung und Pflegebegleitung dürfen nicht auf Auskunft, Leistungsberatung oder Hilfe bei Anträgen reduziert werden. Sie umfassen pflegefachliche Bedarfserhebung, Assessment, Beratung, Anleitung, Prävention, Rehabilitation, Versorgungskoordination und Fallmanagement. Diese Aufgaben brauchen pflegefachliche Kompetenz.

Digitale Angebote können persönliche Beratung, aufsuchende Unterstützung und pflegefachliche Begleitung nicht ersetzen. Gerade ältere Menschen, Menschen mit kognitiven Einschränkungen und pflegende An- und Zugehörige brauchen erreichbare, persönliche und fachlich qualifizierte Anlaufstellen.

Hebammen sind in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eine tragende Kraft der Primärversorgung. Sie besuchen Familien zuhause, passen Beratung und Versorgung an individuelle Lebenslagen an, stärken Gesundheitskompetenz und vermitteln als sektorenübergreifende Schnittstelle passgenau an weitere Unterstützungsangebote.

Pflegefachpersonen müssen eigenständig handeln, entscheiden, behandeln, verordnen und Versorgung koordinieren können – im Rahmen klar geregelter Kompetenzen. Advanced Practice Nurses, Community Health Nurses und School Health Nurses gehören ins Leistungsrecht. Nicht in weitere Modellprojekte. Gleiches gilt für Hebammen. Pflegebegleitung muss als pflegefachliche Leistung ausgestaltet und durch Pflegefachpersonen erbracht werden.

Gesundheitskompetenz muss als Kernaufgabe professioneller Pflege anerkannt werden. Pflegefachpersonen tragen wesentlich dazu bei, Selbstbestimmung zu stärken, Erkrankungen zu vermeiden oder zu verzögern und Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuschieben.

 

Der Deutsche Pflegerat erneuert seine Forderungen:

  • professionelle Pflege als tragende Säule der Primärversorgung verbindlich zu verankern,
  • Pflegefachpersonen auf Augenhöhe in wohnortnahe, niedrigschwellige multiprofessionelle und sektorenübergreifende Primärversorgung einzubinden,
  • Pflegeberatung, Pflegebegleitung und Fallmanagement als pflegefachliche Leistungen mit klaren Kompetenz- und Rollenprofilen auszugestalten,
  • Community Health Nurses, Advanced Practice Nurses und School Health Nurses flächendeckend aufzubauen, mit klarer Finanzierung auszustatten und im Leistungsrecht zu verankern,
  • Hebammen als tragende Kraft der Versorgung von Frauen und Familien in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett einzubinden,
  • Gesundheitskompetenz gesetzlich und strukturell als Aufgabe der Pflege und der Hebammen zu stärken,
  • Prävention und Gesundheitsförderung in Kommunen und Versorgungseinrichtungen systematisch auszubauen,
  • pflegerische und hebammenkundliche Kompetenzen für Prävention, Gesundheitsförderung und Versorgungskoordination verbindlich zu nutzen,
  • klare Aufgabenprofile, rechtliche Rahmenbedingungen, Finanzierung und Handlungsspielräume für die Gesundheitsfachberufe zu schaffen.

Die Politik muss entscheiden, ob Prävention nur angekündigt oder tatsächlich umgesetzt werden soll. Ohne Pflegefachpersonen, Community Health Nurses, Advanced Practice Nurses, School Health Nurses und Hebammen bleiben Prävention und Primärversorgung ein Versprechen ohne tragfähige Struktur.

Anlage: Countdown-Grafik Tag 6: „Prävention versprechen. Pflegekompetenz ausbremsen.“

 

Weitere Information:

Countdown des Deutschen Pflegerats zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und insgesamt zur Reformpolitik – #PflegeImFreienFall #DeutschlandWelchePflegeWillstDu?

www.deutscher-pflegerat.de

Bisher erschienen:

Tag 10. „Pflegebedarf wird weggerechnet“

Tag 9. „Angehörige pflegen. Die Bundesregierung kürzt ihre Rente.“

Tag 8. „Der Personalmangel wird zum Maßstab.“

Tag 7. „Pflegepersonal fehlt. Die Bundesregierung bremst dessen Bezahlung.“

Download Pressemitteilung

 

Ansprechpartner:innen:

Christine Vogler

Präsidentin des Deutschen Pflegerats

Michael Schulz

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: 0151 650 617 86 | E-Mail: m.schulz@deutscher-pflegerat.de

Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)

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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.

 

Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):

Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 25 Verbänden und Organisationen die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat auf Bundesebene die Interessen von 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats. Seit dem 14. Februar 2026 ist der DPR gemäß der Pflegeberufebeteiligungsverordnung – PflBBetV anerkannte maßgebliche Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene.

Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.

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