PRESSEMELDUNG
Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
Berlin (09. September 2026, Nr. 46/2026)
Pflegeausbildung braucht Lehrende
Hamburg muss sein Versprechen halten und den Studiengang Pflege- und Therapiewissenschaft sichern
Der Deutsche Pflegerat (DPR) fordert den Hamburger Senat auf, die Aussetzung des Studiengangs „Pflege- und Therapiewissenschaft für das Lehramt an berufsbildenden Schulen“ sofort rückgängig zu machen und diesen dauerhaft zu finanzieren.
„Die Aussetzung ist inakzeptabel. Pflegeausbildung braucht qualifizierte Lehrende. Fällt ein Studienjahrgang aus, fehlt dieses Fachpersonal später an den Pflegeschulen“, warnt DPR-Präsidentin Christine Vogler. „Damit geraten Ausbildungskapazitäten und die Gewinnung dringend benötigter Pflegefachpersonen zusätzlich unter Druck.“
In seiner Fachkräftestrategie für die Gesundheits- und Pflegeberufe hatte der Hamburger Senat die Pflegeberufe in den Mittelpunkt gestellt, weil dort der Fachpersonalbedarf am größten ist. Den Aufbau des nun ausgesetzten Masterstudiengangs nannte er ausdrücklich als Maßnahme, um mehr Ausbildung zu ermöglichen und die theoretische Pflegeausbildung zu stärken.
„Wer einen Studiengang als Antwort auf den Fachpersonalmangel ankündigt und ihn dann direkt wieder aussetzt, setzt die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Hamburg muss sein Versprechen einlösen“, so Vogler.
Der Bund ermöglicht den Ländern Ausnahmeregelungen bei den Qualifikationsanforderungen an Lehrende inzwischen bis Ende 2035. Hamburg hat seine landesrechtliche Übergangsfrist bislang nicht von 2029 auf 2035 verlängert. Der DPR fordert deshalb beides: die Übergangsregelung anzupassen und den Studiengang dauerhaft zu finanzieren. Eine längere Übergangszeit schafft Luft, aber keine Lehrende.
Aus Sicht des DPR steht der Hamburger Fall für ein größeres Problem. „Deutschland braucht mehr öffentliche Studienangebote für Pflegepädagogik, Pflegewissenschaft, Management und Forschung sowie für Advanced Practice Nursing (APN) und Community Health Nursing (CHN). Die Länder müssen eigenständige Fakultäten für Pflegewissenschaft aufbauen und verlässlich finanzieren“, fordert Vogler.
Private Hochschulen können staatliche Angebote ergänzen, dürfen sie aber nicht ersetzen. Pflegebildung ist öffentliche Daseinsvorsorge. Der Staat darf die Verantwortung dafür nicht grundsätzlich privaten Anbietern überlassen. Der Zugang zu akademischer Qualifikation darf nicht vom Geldbeutel abhängen.
„Der Staat darf die Pflege nicht schrittweise aus den öffentlichen Hochschulen drängen. Wer akademische Pflegebildung abbaut, verschärft den Fachpersonalmangel und gefährdet die Versorgung“, warnt Vogler.
Ergänzende Information:
Download Stellungnahme des Hamburger Pflegerats. Akademische Pflegebildung in Hamburg sichern – Finanzierung der Pflegestudiengänge und Fortführung des Masterstudiengangs Pflege- und Therapiewissenschaften
Ansprechpartner:innen:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz
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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.
Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 25 Verbänden und Organisationen die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat auf Bundesebene die Interessen von 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats. Seit dem 14. Februar 2026 ist der DPR gemäß der Pflegeberufebeteiligungsverordnung – PflBBetV anerkannte maßgebliche Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene.
Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.
