PRESSEMELDUNG
Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
Berlin (15. Januar 2026, Nr. 02/2026)
Pflegefachpersonalmangel verschlechtert Versorgung – Studienlage seit Jahren eindeutig
Deutscher Pflegerat: Gute Arbeitsbedingungen und Qualifikation sind entscheidend für Pflegequalität
Die aktuelle wissenschaftliche Studienlage bestätigt die langjährigen Forderungen des Deutschen Pflegerats (DPR): Wo Pflegefachpersonen fehlen oder nicht ausreichend qualifiziert sind, verschlechtern sich Versorgung und Pflegequalität. Dies mit messbaren Folgen für Krankheitshäufigkeit (Morbidität) und Sterblichkeit (Mortalität).
Eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim und des ifo Instituts zur Grenzregion zwischen Deutschland und der Schweiz zeigt dies deutlich. Die Analyse basiert auf Daten von 2006 bis 2017. In diesem Zeitraum führte die Abwanderung von Pflegefachpersonen aufgrund besserer Bezahlung und Arbeitsbedingungen zu einem Rückgang des Pflegefachpersonals in grenznahen deutschen Kliniken um rund zwölf Prozent. In der Folge stieg dort die Krankenhaussterblichkeit um 4,4 Prozent, besondere bei älteren Menschen und Patient:innen in akuten und kritischen Notfallsituationen. Auch die Lebenserwartung der Bevölkerung sank messbar.
„Diese Ergebnisse bestätigen, was die internationale Pflegeforschung seit über 20 Jahren zeigt“, erklärt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. Große internationale Studien, unter anderem aus dem RN4CAST-Forschungsprogramm, belegen kontinuierlich: Je mehr Patient:innen eine Pflegefachperson versorgen muss, desto höher ist das Risiko für Komplikationen und Todesfälle. Jeder zusätzliche Patient pro Pflegefachperson erhöht das Sterberisiko um etwa 7 Prozent. Umgekehrt senkt ein höherer Anteil akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen mit ausgewiesener Expertise die Sterblichkeit signifikant.
Auch für Deutschland liegen diese Erkenntnisse seit Langem vor. Ein Gutachten des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zeigt 2016, dass eine bessere Pflegepersonalausstattung mit geringerer Mortalität, weniger Komplikationen und höherer Versorgungsqualität einhergeht.
Die Studie zur Grenzregion macht zugleich sichtbar, warum Pflegefachpersonen abwandern: „Wenn Bezahlung, Rahmen- und Arbeitsbedingungen und berufliche Perspektiven stimmen, sind Pflegefachpersonen bereit, auch über Ländergrenzen hinweg zu wechseln“, so Vogler. Das hat unmittelbare Folgen für die Versorgung in Deutschland.
Für den Deutschen Pflegerat ist klar: Dringend notwendig ist endlich die konsequente Umsetzung dessen, was seit Jahren bekannt ist – verlässliche bedarfsgerechte Personalausstattung, gute Arbeitsbedingungen, durchlässige Bildungswege und der Ausbau pflegerischer Studiengänge zur Qualifizierung der Pflegefachpersonen in der direkten Versorgung. „Wir verlieren Pflegefachpersonen nicht nur durch den demografischen Wandel, sondern auch, weil sie bessere Bedingungen suchen. Das ist politisch gestaltbar“, betont Vogler.
Weitere Informationen:
Download Discussion Paper. The Deadly Consequences of Labor Scarcity: Evidence from Hospitals, ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Ifo Institut, LMU München, IAB Nürnberg, Oliver Schlenker (2025) (Homepage ZEW)
Download Studie (RN4CAST). Nurse staffing and education and hospital mortality in nine European countries: a retrospective observational study, Aiken, L.H., Sloane, D.M., Bruyneel, L., Van den Heede, K., Griffiths, P., Busse, R. et al. (2014) (Homepage The Lancet)
Download Gutachten. Auswirkungen der Pflegekapazität auf die Versorgungs- und Ergebnisqualität, Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, 2016 (Homepage Bundesgesundheitsministerium)
Ansprechpartner:innen:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.
Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 22 Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die insgesamt 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats.
Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.
