PRESSEMELDUNG
Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
Berlin (17. September 2026, Nr. 48/2026)
Patientensicherheit beginnt mit Pflege
Welttag der Patientensicherheit: Chronisch erkrankte Menschen brauchen Pflegefachpersonen als erste Anlaufstelle
Zum Welttag der Patientensicherheit unter dem Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen – für ein gutes Leben!“ erklärt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR):
„Kaum ein Thema zeigt so deutlich, wie eng Patientensicherheit und die Weiterentwicklung der Pflegeprofession zusammengehören. Denn chronische Erkrankungen werden nicht punktuell versorgt. Sie erfordern eine kontinuierliche und gut koordinierte Versorgung über Jahre und Sektorengrenzen hinweg.
Diese lange und komplexe Versorgung birgt ein hohes Risiko: Sie wird fragmentiert. An den Übergängen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung gehen Informationen verloren, Veränderungen werden zu spät erkannt und Medikamente nicht ausreichend abgestimmt. Betroffene wissen oft nicht, an wen sie sich wenden sollen. Laut der WHO erleidet weltweit etwa jeder zehnte Mensch bei der gesundheitlichen Versorgung einen Schaden. Mehr als die Hälfte dieser Schäden gilt als vermeidbar.
Pflegefachpersonen begleiten chronisch erkrankte Menschen oft über viele Jahre hinweg. Sie beurteilen den Pflegebedarf, leisten diesen, erkennen Risiken, begleiten Therapien, fördern Gesundheitskompetenz und Selbstmanagement und koordinieren die Versorgung. Sie beziehen Betroffene sowie An- und Zugehörige in Entscheidungen ein und erkennen, wenn sich eine Leistung im Alltag nicht umsetzen lässt. Das ist keine Ergänzung zur Versorgung. Das ist Versorgung: Heute häufig jedoch nur in der Theorie.
Denn Pflegefachpersonen dürfen in Deutschland ihre Kompetenzen bislang nicht durchgängig eigenverantwortlich einsetzen. Das muss sich ändern. In einem künftigen Primärversorgungssystem müssen sie den pflegerischen Erstkontakt übernehmen, den Versorgungsbedarf einschätzen und die weitere Versorgung eigenverantwortlich übernehmen und sofern erforderlich, koordinieren können. Die Kompetenz ist vorhanden – jetzt müssen die Strukturen folgen.
Patientensicherheit bedeutet nicht nur, Fehler zu vermeiden. Sie bedeutet auch, Versorgung sicher zu organisieren. Es reicht nicht, Pflegefachpersonen weitere Aufgaben zu delegieren. Sie müssen klar definierte Versorgungsbereiche eigenverantwortlich übernehmen und Leistungen im Rahmen ihrer Qualifikation selbstständig verordnen, erbringen und abrechnen können. Dafür brauchen sie klare Befugnisse, direkte Zugänge sowie verlässliche Vergütungs- und Abrechnungswege.
Pflegefachliche Erkenntnisse müssen unmittelbar in Handeln umgesetzt werden – ohne Umwege und zusätzliche Schleifen. Vorhandene Kompetenz, die nicht eingesetzt werden darf, kann die Versorgung verzögern und selbst zum Risiko werden.
Es geht nicht darum, eine Profession durch eine andere zu ersetzen. Jede Profession muss das tun können, wofür sie qualifiziert ist. Die Gesundheits- und Therapiefachberufe müssen nebeneinander und auf Augenhöhe eigene Verantwortung übernehmen.
Patientensicherheit braucht zudem ausreichend und gut qualifizierte Pflegefachpersonen sowie professionelle Arbeitsbedingungen. Pflege ist kein reiner Kostenfaktor. Pflege ist ein Sicherheitsfaktor. Wir müssen mit pflegesensitiven Ergebnisindikatoren sichtbar machen, was die Profession Pflege bewirkt.
Der Heilberuf Pflege ist ein zentraler Teil der Lösung unserer Versorgungsprobleme. Seine Weiterentwicklung ist keine berufsständische Frage, sondern eine Frage der Patientensicherheit. Wer die Kompetenzen der Pflegefachpersonen konsequent nutzt, macht die Versorgung sicherer, schneller und verlässlicher.“
Weitere Informationen:
Welttag der Patientensicherheit – 17. September 2026
Kampagne des Deutschen Pflegerats
25 Verbände und Organisationen. Eine Stimme. Ein Ziel: eine sichere Versorgung
#DeutschlandWelchePflegeWillstDu
Ansprechpartner:innen:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.
Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 25 Verbänden und Organisationen die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat auf Bundesebene die Interessen von 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats. Seit dem 14. Februar 2026 ist der DPR gemäß der Pflegeberufebeteiligungsverordnung – PflBBetV anerkannte maßgebliche Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene.
Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.
