PRESSEMELDUNG
Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen
Berlin (30. Juni 2026, Nr. 31/2026)
Countdown: #PflegeImFreienFall #DeutschlandWelchePflegeWillstDu
Noch 9 Tage. Angehörige pflegen. Die Bundesregierung kürzt ihre Rente.
Deutscher Pflegerat fordert die Rücknahme der geplanten Kürzung und eine verlässliche Absicherung und Unterstützung pflegender An- und Zugehöriger.
Der Deutsche Pflegerat e. V. (DPR) kritisiert die im Pflegeneuordnungsgesetz geplante Absenkung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige auf 70 Prozent. Menschen, die wegen der Pflege eines nahestehenden Menschen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder unterbrechen, dürfen dadurch nicht zusätzlich bei ihrer eigenen Alterssicherung benachteiligt werden.
Pflegende An- und Zugehörige tragen einen erheblichen Teil der Versorgung in Deutschland. Sie organisieren den Alltag, koordinieren Termine und Leistungen, übernehmen pflegerische Aufgaben und stehen häufig über Jahre hinweg verlässlich zur Verfügung. Dafür verzichten viele auf Einkommen, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und eigene Erholungszeiten.
Wer heute Verantwortung für die Pflege eines anderen Menschen übernimmt, darf dafür morgen nicht mit Altersarmut bezahlen. Die geplante Kürzung ist sozialpolitisch falsch und gefährdet zugleich die häusliche Versorgung. Pflegende An- und Zugehörige sind kein Einsparpotenzial.
Bereits heute sind viele Familien körperlich, psychisch und organisatorisch stark belastet. Werden ihre soziale Absicherung und die vorhandenen Unterstützungsangebote weiter geschwächt, drohen Überforderung, gesundheitliche Krisen und ein früherer Abbruch häuslicher Pflegearrangements. Die daraus entstehenden Versorgungslücken können ambulante Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen und Pflegeheime angesichts des bestehenden Personalmangels auch nicht kurzfristig auffangen.
Häusliche Pflege braucht professionelle Unterstützung
Pflegende An- und Zugehörige dürfen mit ihrer Verantwortung nicht allein bleiben. Sie benötigen wohnortnah erreichbare Pflegeberatung, verlässliche Entlastungsangebote, kurzfristige Vertretungsmöglichkeiten und eine pflegefachliche Begleitung, die nicht erst einsetzt, wenn eine Krise bereits eingetreten ist.
Pflegefachpersonen können Pflegebedarfe frühzeitig erkennen, pflegende Familien beraten und anleiten, gesundheitliche Risiken einschätzen, Prävention und Rehabilitation unterstützen und die Versorgung koordinieren. Diese Kompetenzen müssen in der ambulanten und kommunalen Versorgung systematisch genutzt werden. Dazu gehören der Ausbau von Case Management sowie die regelhafte Einbindung von Community Health Nurses und Advanced Practice Nurses.
Eine stabile häusliche Versorgung entsteht nicht dadurch, dass immer mehr Verantwortung auf Familien übertragen wird. Sie entsteht durch eine verlässliche Verbindung familiärer Unterstützung mit professioneller Pflege.
Der Deutsche Pflegerat erneuert seine langjährigen Forderungen:
- die vollständige Rücknahme der geplanten Kürzung der Rentenbeiträge,
- einen wirksamen Schutz vor Altersarmut für Menschen, die ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von Pflege reduzieren oder unterbrechen,
- eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie eine verlässliche finanzielle Absicherung während der Pflegezeiten,
- einen verbindlichen Zugang zu Beratung, Prävention, Kurzzeitpflege, Tagespflege und weiteren Entlastungsangeboten,
- eine kontinuierliche pflegefachliche Begleitung pflegebedürftiger Menschen und ihrer Familien,
- die Nutzung und Erweiterung der Handlungskompetenzen von Pflegefachpersonen in Beratung, Assessment, Prävention, Versorgungsteuerung und Case Management.
Die Bundesregierung muss pflegende An- und Zugehörige stärken, statt sie zu schwächen. Wer häusliche Pflege und unser Gesundheitssystem insgesamt sichern will, muss Familien entlasten, professionelle Pflege verlässlich einbinden und Pflegearbeit gesellschaftlich angemessen anerkennen. Wer Beitragssätze stabilisieren will, darf Versorgungssicherheit und soziale Absicherung nicht gegeneinander ausspielen.
Anlage: Countdown-Grafik Tag 9: „Angehörige pflegen. Die Bundesregierung kürzt ihre Rente.“
Weitere Information:
Countdown des Deutschen Pflegerats zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und insgesamt zur Reformpolitik – #PflegeImFreienFall #DeutschlandWelchePflegeWillstDu
Bisher erschienen: Tag 10. „Pflegebedarf wird weggerechnet“
Ansprechpartner:innen:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats
Michael Schulz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Deutscher Pflegerat e.V. (DPR)
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Der Deutsche Pflegerat als Dachverband vertritt die geeinten Interessen der Berufsverbände und nicht die einzelnen Partikularinteressen der Verbände. Unterschiedliche Positionen und Meinungen einzelner Verbände können sichtbar sein und die Vielfalt der pflegerischen Profession widerspiegeln. Dieses berührt nicht die gemeinsamen Ziele und Intentionen des Deutschen Pflegerats.
Zum Deutschen Pflegerat e.V. (DPR):
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus 25 Verbänden und Organisationen die berufliche Selbstverwaltung. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat auf Bundesebene die Interessen von 1,7 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerats. Seit dem 14. Februar 2026 ist der DPR gemäß der Pflegeberufebeteiligungsverordnung – PflBBetV anerkannte maßgebliche Organisation der Pflegeberufe auf Bundesebene.
Präsidentin des Deutschen Pflegerats ist Christine Vogler. Vize-Präsidentinnen sind Jana Luntz und Pascale Hilberger-Kirlum.
